Chronische Niereninsuffizienz
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) ist eine langfristige Störung, bei der die Nieren allmählich ihre Fähigkeit verlieren, Abfallstoffe und überschüssige Flüssigkeit aus dem Blut zu filtern.
Sie betrifft viele Menschen – besonders solche mit Diabetes, Bluthochdruck oder familiärer Vorbelastung.
Eine frühe Diagnose kann das Fortschreiten verlangsamen und die Lebensqualität deutlich verbessern. Wenn Ihre Blut- oder Urinwerte auffällig sind oder Sie Risikofaktoren haben, sollten Sie einen Nephrologen aufsuchen.
Was ist das?
Die chronische Nierenerkrankung (CKD) – auch chronische Niereninsuffizienz genannt – bedeutet, dass die Nieren über mindestens drei Monate hinweg nicht mehr so gut arbeiten wie sie sollten.
Die Nieren sind natürliche Filter, die Abfallstoffe entfernen und den Flüssigkeits- und Mineralhaushalt sowie den Blutdruck regulieren. Wenn ihre Funktion nachlässt, werden diese Aufgaben beeinträchtigt.
Der Schweregrad der Erkrankung wird anhand der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) bestimmt.
Die CKD wird in verschiedene Stadien eingeteilt – von leicht (1–2) bis schwer (5) –, wobei in den fortgeschrittenen Stadien oft eine Dialyse oder Nierentransplantation erforderlich ist.
Symptome und Warnzeichen
In frühen Stadien verursacht die CKD meist keine Symptome.
Im Verlauf können auftreten:
Müdigkeit oder allgemeine Schwäche
Schwellungen (besonders an Füssen und Knöcheln)
Veränderte Urinmenge
Übelkeit, Appetitverlust oder metallischer Geschmack im Mund
Juckreiz oder Muskelkrämpfe
Schwer einstellbarer Bluthochdruck
⚠️ Wichtig: Auch ohne Symptome kann eine Nierenerkrankung bestehen. Ein einfacher Blut- und Urintest kann sie frühzeitig erkennen.
Ursachen und Risikofaktoren
Häufige Ursachen sind:
Diabetes mellitus (Typ 1 und Typ 2)
Chronischer Bluthochdruck
Erbliche Erkrankungen (z. B. Zystennieren)
Entzündungen der Nieren (Glomerulonephritis)
Langfristige Einnahme bestimmter Medikamente, z. B. Schmerzmittel
Übergewicht und Rauchen
Höheres Alter oder familiäre Vorbelastung
Wie wird die Erkrankung diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf Laboruntersuchungen und klinischer Beurteilung:
Kreatinin im Blut: steigt, wenn die Nierenfunktion nachlässt.
eGFR (geschätzte Filtrationsrate): berechnet, wie gut die Nieren arbeiten; Normalwerte hängen von Alter, Geschlecht und Labor ab.
Albuminurie/Proteinurie: Eiweiss im Urin, ein frühes Anzeichen für Nierenschäden.
Urinanalyse: kann Blut, Eiweiss oder Stoffwechselveränderungen zeigen.
Nierenultraschall: beurteilt Grösse und Struktur der Nieren.
Der Nephrologe interpretiert die Ergebnisse im Zusammenhang mit Ihrer Krankengeschichte und kontrolliert sie regelmäßig.
Behandlung und Verlaufskontrolle
Die Behandlung richtet sich nach Stadium und Ursache der CKD.
Ziele sind, das Fortschreiten zu verlangsamen, Symptome zu lindern und Komplikationen vorzubeugen.
In frühen Stadien:
Gute Kontrolle von Blutdruck und Blutzucker
Reduktion von Eiweiss im Urin durch geeignete Medikamente
Ausgewogene Ernährung mit angepasstem Salz-, Eiweiss- und Phosphatgehalt
Vermeidung nierenschädigender Medikamente (z. B. bestimmte Schmerzmittel)
In fortgeschrittenen Stadien:
Behandlung von Anämie, Übersäuerung, Knochenstoffwechselstörungen und Wasseransammlungen
Wenn die Nierenfunktion stark abnimmt, kommen folgende Ersatzverfahren infrage:
Dialyse (Hämodialyse oder Peritonealdialyse)
Nierentransplantation
Eine regelmässige Kontrolle beim Nephrologen ermöglicht, die Therapie anzupassen und den richtigen Zeitpunkt für Dialyse oder Transplantationsvorbereitung zu bestimmen.
Vorbeugung und Selbsthilfe
Halten Sie Ihren Blutdruck und Blutzucker im Zielbereich.
Trinken Sie gemäss ärztlicher Empfehlung – weder zu viel noch zu wenig.
Verzichten Sie auf Rauchen und achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
Nehmen Sie keine Medikamente ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ein.
Lassen Sie regelmässig Blut- und Urinuntersuchungen durchführen, besonders bei Risikofaktoren.
Ernähren Sie sich salzarm und vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man eine chronische Nierenerkrankung heilen?
Eine vollständige Heilung ist selten, aber mit der richtigen Behandlung lässt sich das Fortschreiten deutlich verlangsamen oder stoppen.
Kann ich CKD haben, ohne etwas zu merken?
Ja. Viele Betroffene erfahren erst durch Routineuntersuchungen von ihrer Erkrankung.
Müssen alle Patienten mit CKD zur Dialyse?
Nein. Nur wenige erreichen ein sehr fortgeschrittenes Stadium. Die meisten bleiben mit Medikamenten und gesunder Lebensweise stabil.
Welche Ernährung ist bei CKD empfehlenswert?
Das hängt von Ihrer Nierenfunktion ab. Allgemein gilt: weniger Salz, frische Lebensmittel und gute Kontrolle von Blutzucker und Blutdruck.
Darf ich mit CKD Sport treiben?
Ja, sofern Ihr Arzt nichts dagegen hat. Moderate Bewegung (z. B. Gehen oder Schwimmen) unterstützt Herz und Kreislauf.
Beeinträchtigt CKD das Herz?
Ja. Eine CKD erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, daher ist eine gute Kontrolle von Cholesterin, Blutdruck und Zucker wichtig.
Wann sollte ich zum Nephrologen gehen?
Bei Diabetes, Bluthochdruck, anhaltender Eiweißausscheidung im Urin oder erhöhtem Kreatinin bzw. niedrigem eGFR-Wert.
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